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Dezember 11, 2024

Kekse, Kofola und Tubenmilch: Süße Favoriten aus Tschechien

Bei unseren Nachbarn haben Süßmäuler die Qual der Wahl! Eine viel zu kurze Liste der Kult-Leckereien.

Packungen mit Waffeln, Schokolade sowie eine Colaflasche auf einem Tisch.
Süße Mitbringsel von einem Tschechien-Ausflug. Meist haben sie nur eine kurze Lebensdauer ...

Was bringst du dir so von Tschechien-Ausflügen mit? Wie du oben siehst, ist es bei mir jede Menge Süßkram – zum Teil Dinge, die ich schon in den 1980ern mochte. Mindestens 2-3 Mal dabei: Kaštany-Schokoriegel von Orion. Die gab’s schon, als unser Nachbar noch ČSSR hieß! Mittlerweile existieren neben der wohl bekanntesten rot verpackten noch weitere Sorten (braun: extra bitter, blau: Vollmilch, grün: mit Pistazie). Das typische Aroma ist unverändert, ebenso die dunkle, schwere Kakao-Nuss-Creme im Riegel.

Orion ist eine traditionsreiche Schokofabrik: In tschechischen Supermärkten ist sie der Platzhirsch bei einheimischem Süßkram. Sie wurde gegründet 1891 im Prager Stadtviertel Vinohrady, mittlerweile gehört sie zu Nestlé.

Orion-Schokitafeln schmeckten zu DDR-Zeiten ziemlich milchcremig, was ich sehr mochte. Die Studentská-Sorten heute schmecken viel schokoladiger - probier doch mal Traube-Erdnuss! Oder Kofila, die Kaffee-Schokoriegel, die es seit den 1920er Jahren gibt. Orion ist ein Stück kulinarisches Erbe für alle Tschechen - die Marke hat außerdem eine bewegte Geschichte, der die Schriftstellerin Tanja Dückers auf ihrem Blog nachgegangen ist.

Erst vor kurzem entdeckt, aber sofort begeistert haben mich die vom Oblaten-Produzenten Opavia hergestellten Kekse namens Polomáčené. Zu deutsch heißt das „halbgetaucht“ – weil nur eine Keksseite mit Schokolade bedeckt ist. Sie sind nicht so süß wie viele andere Kekssorten, und es gibt sie in kleinen 100-Gramm-Packs, praktisch für unterwegs.

Absolutes Muss: Waffeln - fast egal welche

Kekse und Waffeln made in ČSSR waren schon zu DDR-Zeiten Kult. Es gab einfach so viel mehr Sorten mit intensivem Kakaoaroma. Kein Vergleich zu den oft nur nach Zucker schmeckenden DDR-Waffeln!

Auch heute geht keine Reise zu den Nachbarn vorüber, ohne dass ich Fidorka kaufe. Die Kekstaler von Opavia gab es schon lange, bevor Schokohersteller auch in Deutschland das Eckige ins Runde brachten. Ein super Minisnack zum Kaffee! Mit Fidorka sitzt dir der Schalk im Nacken: Das wollen zumindest die drei Werbespots vermitteln, die der bekannte Regisseur Jan Hřebejk mit der Agentur Havas für den Schoko-Kekstaler gestaltete. Allesamt sehenswert!

Bei den legendären Tatranky mit Schokorand und in Klarsichtfolie lohnt allein das Design mit den stilisierten Bergen und Blumen schon den Kauf! Einige Tatranky-Varianten tragen das Opavia-Symbol, doch die Tatranky in Klarsichtfolie werden in der Slowakei hergestellt, von Sedita. Die Firma in Sered produziert schon seit über 100 Jahren Süßes - auch die Horalky-Kekse mit Erdnussaroma. Einer davon macht fast so satt wie ein Schweinsbraten mit Knödel!

Falls du bei Keksen teilen musst (oder willst): Bei den Minonky von Opavia stecken familienfreundlich fünf kleine Kakaowaffeln in einer Packung, bei den Kavenky-Waffeln (Kakao mit Kaffeearoma) vier.

Neben Süßem muss auch Salziges mit: Die prallen tschechischen Salzstangen mit Kümmel drauf! Die Hradecké Tycinky reisten schon zu DDR-Zeiten in sehr vielen Einkaufstaschen mit ein.

Kofola - Cola-Kult mit Kräuteraroma

Zwei Flaschen mit tschechischem Kofola-Getränk.

„Schmeckt doch wie Hustensaft mit Sprudel“, meinte mal eine Frau, als ich Kofola am Tresen in einer Wanderbaude bestellte. Ich weiß nicht, von was sie redete. Die Cola mit Kräuteraroma ist DER Klassiker in Tschechien! Ein kommunistisches Kind, das noch immer beliebt ist.

In den 1950ern wurde eine heimische Alternative zur kapitalistischen und teuren Coca-Cola gesucht - und die Pharmazeutischen Werke (Spofa) in Prag sollten dazu eine Idee liefern. Heraus kam der sogenannte Kofo-Sirup mit 14 Kräutern, Fruchtaroma und Koffein. Das Getränk wurde ein Renner! Und wir DDR-Kinder bestanden bei Ausflügen auf Kofola.

Wie viele Flaschen Kofola hätte man sich zu Ostzeiten leisten können - mit einem Tagesumtauschsatz von 20 DDR-Mark? Foto: kofola.cz

Wie bei vielen Produkten aus Ostblockzeiten ging es nach der Wende erstmal bergab. Doch ab 2000 kehrte Kofola wieder auf die Tische und an die Tresen in Tschechien und der Slowakei zurück, inzwischen im Besitz einer griechischen Familie. Heute produziert das Getränkeunternehmen auch in Polen, Slowenien und Kroatien. Selbst Americans aus dem Mutterland von Cola finden den Geschmack cool. Und dieser Kofola-Werbespot aus der Adventszeit 2020 ist Kult bei unseren Nachbarn.

Die süße Milch aus Tschechien

Und dann gibt es da noch die Tubenmilch. Oder wahlweise auch süße Milch genannt. Rufe die beiden Begriffe einem Dutzend Ü40-Ossis zu, und du kriegst ein Buch voller Stories erzählt! Von Urlauben in der Hohen Tatra oder Betriebsausflügen nach Prag, wo man sich eisern Kronen abgespart hat, um das Zeugs zu kaufen. Die süße Kondensmilch kam für uns Ostkinder gleich hinter dem Westkaugummi! Klar sind Piknik, Pikao und Co. Zuckerschleudern mit vielen Kalorien. Aber das cremige Aroma - unschlagbar!

Eine Tube mit süßer Kondensmilch liegt auf einem Tisch.
Tubenmilch - es schmeckte uns Kindern göttlich. Vergleichbares gab es in der DDR nicht.

Natürlich ist auch Nostalgie dabei, wenn noch heute bei fast jeder Tschechientour einige Tuben gekauft werden und Männer im Opa-Alter sich daheim sofort den halben Inhalt in den Rachen drücken.

„Nenne ein typisches Produkt aus Tschechien“: Vielen meiner Landsleute würde sofort auch die Tubenmilch einfallen. Sie ist – man will’s nicht glauben – über 70 Jahre alt und wird noch immer nach dem selben, weltweit einmaligen Verfahren beim Molkereibetrieb Tatra hergestellt. Inzwischen gibt’s Pikao auch als Honigkuchen, Quark und als Eis am Stiel – ebenfalls lecker.