Böhmische Gipfel: Der Stropník
Der Norden Tschechiens hält viele Berge parat. Für einen Kurzausflug bestens geeignet ist der Stropník, gleich hinter Zinnwald. Mit einer herrlichen Aussicht - die aber erklommen sein will.

Ende November sind nochmal 14 Grad angekündigt – also los, raus ins Böhmische und wandern! Schon auf der Autofahrt aber merken wir: Am Südhang des Osterzgebirges sind die Wettermacher anders drauf. Höchstens 5-6 Grad sind hier, überall liegt eine dünne Schneedecke.
Im Örtchen Osek, dass wir 20 Minuten nach der Grenze bei Zinnwald erreichen, kannst du gleich am Anfang der Nelsonská parken, die von der Durchgangsstraße (Tyrsova) rechts abgeht. Aber auch im Rest des Ortes sind Parkmöglichkeiten zu finden. Unsere gesamte Tour findest du übrigens auch auf komoot.de, wo du mir auch folgen kannst.
Die Kleinstadt mit ihren kleinen Ein- oder Mehrfamilienhäuschen wirkt auf uns etwas schläfrig, was aber auch am wolkenverhangenen Himmel liegen kann und dass es Sonntag Vormittag ist. Der Stropník soll aber nicht das einzige Ziel heute sein. Es gibt schließlich noch das berühmte Kloster Osek, nationales Kulturdenkmal. Und: die Klosterbrauerei!
Der Weg auf den Stropník
Wir laufen die Nelsonská lang, bis rechter Hand die Lidická abbiegt. Hier folgen wir einem Weg parallel zu einer Bahnstrecke, kommen auch am Bahnhof Osek Mesto vorbei. Nach gut zwei Kilometern - dort, wo rechts die Lesní stezká abgeht - halten wir uns links, kreuzen die Eisenbahn und kommen am Zughaltepunkt Horní Háj vorbei. Wir folgen dem grün markierten Weg, der uns weiter zum Gipfel des Stropník führen soll.

Auf dem breiten, gut begehbaren Weg sind wir die ganze Zeit allein unterwegs. Um uns herum ein Winterwonderland mit weiß gepuderten Bäumen. Und ja, der Schnee durch den wir stapfen, wird immer höher – und einige Wanderschuhe saugen sich immer stärker mit Wasser voll. Aber wir wollen durchhalten, zumal der Berg dicht bewaldet ist und den schönen Ausblick offenbar bis zum Schluss vor uns geheim halten will.
Power gefragt am Berg
Fast anderthalb Stunden sind wir bereits unterwegs, bislang lief es recht angenehm – doch nun bringt uns der Aufstieg ordentlich ins Schwitzen. Okay, Osek liegt auf 307 Metern Höhe, der Stropník-Gipfel auf 856 Metern. 540 Höhenmeter Unterschied – nach langsamem Angehen wird es nun umso schnaufiger.
Schließlich aber sind wir oben angelangt. Auf einem kleinen Fels mit Gipfelkreuz, Gipfelbuch und Geländer! Es ist nicht unbedingt beste Sicht heute - trotzdem sind wir gefangen davon, wie großzügig der Stropník das umliegende Land vor uns ausbreitet. Der schroffe Milešovka (Milleschauer) ist normalerweise von hier aus sichtbar, ebenso der nahe Doubravská hora (Teplitzer Schlossberg) und der Bořeň (Borschen). Es weht ein eiskalter Wind auf dem Gipfel – von daher ziehen wir uns bald wieder zurück und gehen den Abstieg an.

Wegewirrwarr
Der soll uns an der Rýzmburk vorbei nach Osek zurückführen – doch was uns Apps wie Komoot oder Mapy anzeigen, ist etwas verwirrend. Wege abwärts, wo keine sind – direkt an umzäunten Gelände entlang. Zumindest jetzt im Schnee sind sie nicht zu entdecken. Irgendwann schlagen wir uns einfach nach links durch zu einem größeren , der Richtung Südwesten führen soll zur Burg Rýzmburk. Glück gehabt – wir gelangen zu einer anständigen Wanderstrecke, rot gekennzeichnet, die uns stellenweise auch an einem Flüßchen vorbeiführt.


Richtung Südosten verläuft der rot markierte Weg, der vom Stropník wieder herabführt und auch die Rýzmburk passiert.
Die Rýzmburk gehörte einst den bedeutendsten Adelsgeschlechtern im mittelalterlichen Böhmen, die auch das Zisterzienserkloster in Osek gründeten. Dort wollen wir noch hin, deshalb lassen wir – es ist bereits Nachmittag – die Burg erstmal rechts liegen.
Das Kloster in Osek
Das Kloster Osek ist eine der wohl schönsten Klosteranlagen in Böhmen: Über 800 Jahre alt, mit einer prachtvollen Kirche, mit Kreuzgängen im romanisch-gotischen Baustil und mit mehreren großen Gartenanlagen. Hier gab es eine Bibliothek, eine Textilmanufaktur, eine Apotheke, und das Kloster war Ort für Literatur und Wissenschaft. Nach der Machtübernahme der Kommunisten war das Kloster auch ein Internierungslager für Priester.
Eine sehr spannende Historie also – doch was wir nicht beachtet haben: sonntags finden die letzten Führungen laut Website schon um 13 Uhr statt. Wir streifen also nur ein wenig durch die Höfe und Anlagen rund um das Kloster und versuchen, die Pracht im Inneren zu erahnen.




Das Kloster Osek - seine Architektur und Gärten ziehen viele Besucher an. Im Sommer wirkt es natürlich nochmal viel schöner.
Alte Brautradition - einfach bestens
Eines aber hat geöffnet: Die Klosterbrauerei! Eine recht überschaubare kleine Brauerei, in der neben dem Bier auch paar einfache Speisen wie Pizza angeboten werden. Der Schankraum ist recht einfach eingerichtet, doch uns ist eh das Bier wichtiger – und das ist wirklich megagut!
„Schmeckt richtig schlorzig“, meint mein Kumpel – ein Begriff, den wohl nur wir Sachsen verstehen. Für alle anderen: Es rinnt einfach so die Kehle runter! Für uns als Bier-Laien hat es einen leicht würzigen Geschmack, wohl weil unfiltriert und unpasteurisiert, und ein angenehmes Prickeln. Auf Biertasting-Seiten im Netz erhält das "Ossegg" ebenfalls sehr gute Kritiken. Und was auch hier wieder auffällt: Die individuellen, wunderschön gestalteten Biergläser, die es hier wie anderswo zu den Biersorten gibt. Vielleicht sollte man darüber auch mal bloggen.
Die Oseker Klosterbrauerei existiert wieder seit 2015. Natürlich wurde schon früher im Kloster gebraut, seit 1701. Jetzt gibt es das "Ossegg"-Bier in drei Sorten: „Philipp“, ein Helles mit 12 Prozent Stammwürze; ein Schwarzbier namens „Tomas“ (13%) und „Jindřich“, ein Starkbier mit 18 Prozent Stammwürze. Übrigens wird das Bier auch in Teplice ausgeschenkt, z.B. im "Hospůdka u veselýho mandlu".

Die Gefahr gemütlicher Gaststuben
Zum Abendessen hatten wir uns schon auf dem Rückweg vom Stropník ein Lokal ausgespäht, den „Černý orel“, den „Schwarzen Adler“ in der Vilova 18. Nach dem Klosterbier machen wir uns die wenigen Meter dahin auf’m Weg.
Und kennst du auch das Gefühl, wenn du beim Eintreten in eine Lokalität schon merkst: Achtung, Versackungsgefahr? So ging’s uns hier – denn der „Adler“ ist eine sehr urige Wirtsstube in Holzdekor und mit dunkel getäfelter Decke, Sitzbänken rund um die Tische und vielen alten Fotos aus der Region an den Wänden. Zudem war gut geheizt, und so fühlen wir uns nach den Stunden draußen im Wald doppelt wohl. Auch hier wird gebraut, das Lokal trägt den Zusatz Orlovský Pivovar. Auch Brot bäckt und verkauft man hier: Sauerteig-, Kartoffel- und Körnerbrot.
Während wir rasch unser Essen auf den Tisch bekommen, füllt sich das Lokal immer mehr. Der „Schwarze Adler“ ist offenbar recht beliebt, das zeigen auch die Bewertungen einschlägiger Portale. Uns hat er als neue Fans gewonnen. Wir müssen eh' nochmal her, ins Kloster, auf die Burg - und auf einen Stropník ohne Schnee.
Osek gehört übrigens mit zur Montanregion Erzgebirge mit ihrer Tradition der Erzförderung. Die Stadt ist erreichbar per Bus (aus Teplice) und per Zug. Es gibt die Strecke von Ustí nad Labem nach Litvinov. Landschaftlich am schönsten aber ist eine Anreise von Most oder Dubí aus mit der Moldauer Bergbahn mit ihren vielen Brücken, Tunneln und Durchlässen.
Falls du mit Kindern unterwegs bist, ist das Autocamp mit seinen Bungalows was für einen längeren Aufenthalt. In der Nähe gibt es einen Irrgarten und generell viele Wege, um per Rad oder zu Fuß die Gegend zu erkunden. Und falls du für den Jacobsweg trainieren willst: Wie wär's mit dem "Heiligen Weg", der von Osek über Frauenstein, Dippoldiswalde und Grillenburg nach Meißen führt?